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Zen Vortrge

Im Zen legen wir unsere Masken ab

Von Hinnerk Syobu Polenski

Nach Karneval, Fastnacht und Fasching ist jetzt "alles" vorbei. Wirklich? Richtig ist, die Masken sind wieder abgelegt,die "Fastenzeit" hat begonnen. Da gibt es durchaus paralellen zum Zen. Nur im Zen ist es genau umgekehrt. Da legen wir zwar auch unsere Masken ab, schlen Schicht fr Schicht die *Zwiebel*, die unseren wahren Kern umhllt.

Doch: am Ende, wenn wir fertig sind, die Zwiebel geschlt ist, dann beginnt keine karge Zeit, im Gegenteil: am Ende beginnt das *wahre Leben*. Im Zen ist es also gerade anders herum. Die Masken, die Rollen, die wir im Laufe unsere Lebens an- und bernommen haben, hindern uns an der Feier und dem Spa im und am Leben. Erst wenn diese abgenommen sind, erwacht der Mensch zu seinem wahren Wesen.

Wenn wir einmal beginnen, uns bzw. unsere Gedanken zu beobachten im Zazen, dann werden wir uns immer neuer Schichten, ich meine damit Handlungsmuster und erlernte, anerzogene Verhaltensweisen, bewusst. Die fhren dann zu Reaktionen und Verhalten, das wir nicht wirklich sind. Und es sind viele solcher Schichten da. Wenn die groben Schichten fort sind, kommen die feineren Schichten zum Vorschein. Und mit denen umzugehen ist nicht einfacher im Gegenteil.

Im Zen schlen wir Zwiebeln

Viele Dinge, die Jahre zurck liegen, wirken heute auf unser Leben. Je tiefer wir also in unseren Geist hineintauchen, desto weiter gehen wir auch in unserer Kindheit zurck, manchmal sogar in vergangene Leben. Das ist ein ganz normaler Vorgang. Viele Dinge, die ihr vergessen habt, sind dann pltzlich wieder da. Nichts geht jemals verloren.

Wenn wir jedoch immer weiter und weiter schlen, kommt ein Augenblick, in dem es pltzlich zunchst nur fr einen kurzen Moment - leer ist. Alle Schichten sind weg. Wenn wir an diesem Punkt ankommen, an dem wir nichts mehr finden knnen, sind wir in unserem inneren Sein angelangt. Dieses Sein hat keine Schicht mehr, da ist nichts mehr, was es eingrenzt oder einengt. Dann sind wir frei. Dann sind wir der flieende Fluss geworden, den nichts mehr behindert. Da ist die Welle dann der Ozean und der Ozean ist die Welle.

Was genau passiert in der Meditation?

Was genau passiert in der Meditation, was tun wir, wenn wir sitzen? Jeder hat ein Bild von sich selber, ein Konstrukt, das in einer uerlichkeit ist und das meine ich auch mit Landkarte aber, je tiefer ihr in euch selber reingeht im Zen, habe ich mich irgendwie geklrt und gereinigt. Nicht das alle negativen Dinge weggegangen sind oder sich aufgelst haben, aber es ist eine Klarheit gekommen. Ich habe sehr viel mehr ber mich erfahren, ber mein Selbst, so wie ich mich wahrnehme, die Welt wahrnehme.

Es ist so, wenn ich sitze, dann sitze ich und kann mittlerweile relativ lange ohne Gedanken sein ich bin dann weg. Und nach einer gewissen Zeit verndert sich etwas, da passiert etwas in mir. Wenn ich das intellektuell ausdrcke, kann ich sagen, meine eigene Konstitution, meine Wirklichkeit, mein Selbst hat sich verndert. Das trifft das Bild mit den Zwiebeln-Schalen. Es ist pltzlich da. Ich grbel nicht darber nach, warum das so ist oder wie das passiert. Fest steht, es verndert sich im Inneren etwas. Und dann sage ich, aha, so so, das ist gut. Und dabei fhre ich mein Leben genauso, wie frher auch.

Zen ist Anhalten

Zen ist erst mal ein Anhalten des Unheilsamen. Unheilsam ist zum Beispiel eine zunehmende Trennung von den in meinem Kopf sich verselbstndigenden Gedanken und Vorstellungen, hin zu von Zwngen und Emotionen beeinflussten Wahrnehmungen. Meine Welt auf der einen Seite trennt sich mehr und mehr von der wirklichen Welt auf der anderen Seite.

Ein Beispiel: Ein Mann will ein Bild aufhngen und bemerkt, dass er seinen Hammer verlegt hat. Er berlegt, ob er sich einen Hammer von seinem Nachbarn leihen sollte, dabei kommen ihm Zweifel, da er den Nachbarn berhaupt nicht kennt. Er fragt sich, ob dieser dies wohl auch tun wrde. Er steigert sich mehr und mehr herein. Es wre doch geradezu nicht-nachbarschaftlich, wenn dieser das nicht tte, und dann: Wenn alle sich so verhalten wrden!, Was fr ein Egoist!. Schumend vor Wut geht er rber, in tiefer berzeugung abgewiesen zu werden. Er klingelt und wettert los, eine Standpauke, die ber dem armen Nachbarn herein bricht, dessen Frau vor drei Tagen ins Krakenhaus gekommen ist und dem die Kraft fehlt, berhaupt irgendetwas zu entgegnen.

Das ist unheilsames Wirken, jeden Tag hundertemal, kleiner, weniger offensichtlich, unsichtbarer, aber nicht weniger blind. Hier fehlt der Mensch, es gibt nur Ego, Person. So schwingen tausende kleine Gedanken, Gefhle, Worte und Taten zu zehntausenden kleinen und manchmal auch groen Formen und Erscheinungen unserer Welt. ber Jahre und Jahrzehnte gefriert dies zu einer immer enger werdenden Form von Meinem Leben. Der Mensch hat immer weniger Raum.

Zen ist ein Anhalten dieses Prozesses. Ein Gewahr werden von Unfreiheit und Verstrickung, ein Weg Schritt fr Schritt in die Freiheit, ein Ablegen von Masken. Erst mal geschieht dies nur in der bung, dem Zazen. In einem geschtztem Raum von Stille, Kraft und Disziplin, auf meiner 90 mal 90 Zentimeter groen Sitzmatte jeden Morgen. Jeden Morgen be ich, beobachte ich, was passiert wenn dieses zu Ruhe kommt, ich zu Ruhe komme.

Wer bin ich? Wer bin ich, wenn dieser Wahnsinn anhlt? Wer bin ich, wenn meine Welt Frieden findet?

Wenn der Geist still wird, wird die Welt wahr.

Still, Kraftvoll, Friedvoll und Klar.