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Ein Buddha fr jeden Tag -
Ein atemberaubendes Museum in Traben-Trarbach

Ein Besuch im Buddha-Museum im Moselstdtchen Traben-Trarbach Ein Buddha fr jeden Tag - Ein atemberaubendes Museum in Traben-Trarbach

Eine Skulptur aus blau-grauem, an manchen Stellen gelb-golden schimmerndem Schiefer zeigt einen freundlich lchelnd Jngling mit vornehm geschwungener Nase. Sein elegantes Gewand wirft ppige Falten. Er knnte einen wohlhabenden griechischen oder rmischen Patrizier darstellen. Dass er dennoch Buddha verkrpert, entdeckt man erst auf den zweiten Blick. Unter dem flieenden Faltenwurf seines Gewandes lsst sich eine sitzende Meditationshaltung im Lotus- oder Halblotussitz erahnen. Zwar fehlt ein Teil der rechten Hand, doch braucht es nur wenig Fantasie, aus der Handhaltung insgesamt auf die Dharmachakra-Mudra zu schlieen. Jene Geste, die das Ingangsetzen des Rades der Lehre symbolisiert: Daumen und Zeigefinger der rechten Hand bilden einen Kreis, genauer ein Rad, das die linke Hand mit einer zarten Geste in Schwung versetzt. Die Skulptur stammt vermutlich aus dem dritten vorchristlichen Jahrhundert, als Alexander der Groe bei seinen Eroberungsfeldzgen bis nach Indien vordrang und dort nicht nur mit seinen Besatzungstruppen die Bevlkerung grausam unterwarf und grtenteils niedermachte, sondern auch knstlerisch-sthetische Mastbe setzte.

Der apollohafte Buddha aus Schiefer gehrt zu den ltesten und deshalb vielleicht auch wertvollsten Exponaten des Buddha-Museums im Moselstdtchen Traben-Trarbach. Dort hat der Mainzer Unternehmer Wolfgang Preu, der seit Jahrzehnten einzelne Buddhas ebenso sammelt wie umfangreiche Buddhasammlungen, vor mehr als zehn Jahren sein privates Buddha-Museum gegrndet mit nunmehr 2.000 Buddhas aus 23 Jahrhunderten. Eine gigantische Sammlung, die dem Besucher die Sprache verschlgt. Preu meditiert nach eigenen Angaben als Autodidakt seit ber 30 Jahren und beschftigt sich seitdem mit Buddhismus. Nachdem seine Sammlung immer weiter gewachsen und schon lngst nicht mehr in seiner privaten Villa unterzubringen war, schlummerten seine Buddha-Schtze zunchst in verschiedenen Lagerhallen. Dann bot sich eine besondere Gelegenheit, als eine ehemalige Weinkellerei am Moselufer pltzlich zum Verkauf stand. Kurz entschlossen erwarb Preuss das inklusive Kellergeschoss und Dachgarten vierstckige Gebude, das der bekannte Jugendstilarchitekt Bruno Mhring um die vorletzte Jahrhundertwende entworfen hatte, und lie es behutsam umbauen und erweitern.

Ein Buddha fr jeden Tag - Ein atemberaubendes Museum in Traben-Trarbach Ein moderner Glaspavillon ergnzt nun das Jugendstilgebude. In dieser hohen Glashalle wachen zwei gewaltige hlzerne Torwchter - sogenannte Dvarapalas - aus Siam ber die berlebensgroen Buddhas und Bodhisattvas aus China und Thailand: Zum Beispiel ein mchtiger Avalokiteshvara aus Metall mit elf Kpfen und 1000 Armen und einem Auge in jeder Handflche. Die Skulptur illustriert die Legende, wonach Kannons Kopf angesichts des Leides auf der Erde in zehn Teile zerbarst und sein geistiger Vater Amitaba ihn wieder zusammensetzen musste. Eine andere Bodhisattva-Gruppe aus vergoldetem Metall zeigt Manjushri, der auf einem Lwen reitet und Samantabhadra auf einem Elefanten. Sie verkrpern Weisheit und Barmherzigkeit. Zwischen beiden steht Nagarjuna, der den Grundstein fr die Schule des mittleren Weges legte. Die Schlangenhaube auf seinem Kopf verweist darauf, dass er die Lehre durch Schlangengottheiten erfahren hat.

Die kleinste Staute ist kleiner als ein Streichholzkopf, die grte grer und schwerer als ein XXL-Wohnmobil. Der gigantische thailndische Buddha konnte nur mit einem Kran auf den Dachgarten gehievt werden. Immer wieder kommen neue Buddhas hinzu, erzhlt Wolfgang Preuss im Gesprch, und regelmig sortieren er und sein Kurator auch welche aus, vor allem diejenigen aus zeitgenssischer Produktion, die dann im Museumsshop auf zahlungskrftiges Publikum warten.

Zu den Prachtstcken der Sammlung gehrt beispielsweise ein berlebensgroer Holzbuddha im vollen Lotussitz, dessen Gesicht und Krper wei bemalt sind. Er trgt eine mit Edelsteinen verzierte goldene Haube und ein frstliches, goldenes Gewand ber der linken Schulter. Die rechte Schulter und der Arm sind nackt. Mit seiner rechten Hand weist er zum Boden und ruft damit die Erdgttin zur Zeugin auf, dass er der Versuchung durch Mara widerstanden hat. Umgeben ist dieser Prunkbuddha von weiteren stehenden Holzbuddhas, einige rotbraun gewandet, ein anderer in strahlend-leuchtendem Gold. Mit der Varada-Mudra deutet er die Wunschgewhrung an, anderen Buddhastatuen laden mit der Abhaya-Mudra die Menschen ein, furchtlos nherzutreten und der Lehre zu lauschen.

Aus Sdostasien stammen die Buddhas der Wochentage: Der Montags-Buddha aus dunklem, fast schwarzen Holz wirkt androgyn. Er schlichtet den Streit zwischen zwei Familien. Der burmesische Dienstags-Buddha liegt mit aufgesttztem Kopf lang gestreckt auf dem Boden und verkrpert damit den sterbenden Buddha kurz vor seinem Eintritt ins Nirvana. Der Mittwochs-Buddha wiederum ist zweigeteilt und stellt einmal einen Mnch mit seinem Almosentopf dar. Der andere Mittwochs-Buddha sitzt - ungewhnlich genug - in europischer Sitzhaltung auf einem Schemel im Wald, wohin er sich von seinen streitenden Mnchen zurckgezogen hat. Dort ernhren ihn ein Affe und ein Elefant. Der Donnerstags-Buddha zeigt sich gekleidet wie ein indischer Mnch in klassischer Meditationshaltung. Der Freitags-Buddha kreuzt die Arme vor der Brust. Und der Samstags-Buddha sitzt auf der Schlangengottheit Naga, whrend der Sonntags-Buddha aus rotbraunem Tropenholz seine Hnde vor dem Unterbauch kreuzt.

Ein Buddha fr jeden Tag - Ein atemberaubendes Museum in Traben-Trarbach Die burmesischen Buddhas aus unterschiedlichen Jahrhunderten sind hufig bunt bemalt. Die Urna, die Locke auf der Stirn, erinnert mitunter an eine feuerrote stilisierte Flamme. Die Augen sehen aus wie mit schwarzem Kajalstift geschminkt, die Fingerngel sind tiefrot lackiert. Drei Linien am Hals deuten Fettfalten an: Zeichen eines wohlhabenden, groen Mannes. Einer von ihnen sitzt auf einem Sockel in Sanduhrform, der dadurch den Weltenberg Sumeru und damit zugleich die Weltachse symbolisiert, die durchs ganze Universum fhrt. Bei anderen Statuen zeigt der Sockel nur eine schmale Einkerbung, die das ungeheure Gewicht des Buddhas beziehungsweise die Kraft seiner Lehre andeutet.

Eine geografische, epochale oder andere Systematik der Prsentation lsst sich kaum erkennen. So ist im Kellergeschoss ein japanischer Amida-Buddha aus dem 19. Jahrhundert auf einem mehrfach abgetreppten Sockel zu entdecken, neben einem weien, koreanischen Maitreya-Buddha und weiteren Buddhas aus Bhutan, Burma, China, Indien, Laos, Nepal und Thailand. Auch im Obergeschoss finden sich weitere japanische Skulpturen und Statuetten aus verschiedenen Epochen in dezent beleuchteten Vitrinen und berlebensgro frei stehend neben chinesischen Bronzen aus der Ming-Dynastie. Mitunter wirkt die Prsentation etwas berladen. Eine kleinere Auswahl knnte die Wirkung deutlich steigern. Trotz dieser Einschrnkung hallt der Besuch lange nach: Denn fast jeder Buddha - ob aus Stein, Holz, Gold oder Porzellan - hinterlsst eindrucksvolle Spuren im Herzen des Betrachters.

www.buddha-museum.de

 

Michael S.