Daishin Zen Schule

Mut fassen, den Weg des Herzens zu gehen

Teisho - Zen-Meister Hinnerk Polenski
Mut fassen, den Weg des Herzens zu gehen

 

Was ist Mut, was ist Herz?</p>
<p>Wir verbinden Herz mit Liebe - und trotzdem schwingt dort etwas hinein, was mehr ist. Das hat aber nur damit zu tun, dass die Liebe, so wie wir sie kennen, sehr eng und vollgestellt ist als Begriff. Wir haben gelernt, dass die Liebe nur existiert in einem Gegenüber, und dann verwechseln wir die Liebe auch noch mit Begehren - und dann wird es kompliziert. </p>
<p>Begehren oder Gier ist ein Gefühl. Die Liebe ist eine Form von Bewusstsein, das über dem steht, was das Ich ist. Es ist transpersonales Bewusstsein, es ist das, was uns Menschen adelt, es ist die Fähigkeit, über die Grenzen unseres Ichs hinauszugehen. Dieses Hinausgehen hat kein vorgeschriebenes Objekt wie die Partnerschaft oder eine religiöse Definition, sondern die Liebe ist wie der weitere offene Raum. Sie ist die Verbindung in erster Linie mit mir selber.</p>
<p>Das ist der Ausgangspunkt. Und von diesem Ausgangspunkt ist es erstmal die Verbindung mit den Dingen um mich herum, der Raum, in dem ich bin. Die Menschen, mit denen ich in diesem Raum bin. Dann die Umgebung, die ich wahrnehme - Wiesen, Wälder, Straßen, Autos, Flugzeuge, Vögel; und dann ist es die unendliche Weite. </p>
<p>So endlos wie der grenzenlose Raum,  so grenzenlos wie der Himmel, und dieses Sein ist unser wahres Sein. Und in dieser Weite haben wir gelernt, ein Holzhäuschen zu bauen, das wir Ego nennen. Dieses hat Vor- und Nachteile. Der Nachteil ist die Besorgnis um das Holzhäuschen und um die Häuschen anderer. Es entsteht eine Verstrickung, und um diese Verstrickung auszugleichen, stellen wir dieses Häuschen, das schon sehr eng und begrenzt ist, immer mehr und mehr mit Sachen voll. So voll, dass wir uns kaum noch darin bewegen können - das nennen wir altern. Aber dieses Häuschen ist eine Illusion. </p>
<p>Als ich einmal im Spessart war, erzählte mir jemand, dass es hier Luchse gibt. Ich mag Luchse sehr. Und er erzählte mir, dass so ein Luchs 20 km² Raum braucht für sich. Dennoch gibt es Menschen, die so ein Tier in einen Käfig sperren, vielleicht von 50 m². So ist es mit dem Holzhäuschen. Wir sind Luchse in diesem Käfig. Ängste entstehen dadurch, dass wir um dieses Holzhaus Sorge haben. Dieses Ich hat einen hohen Preis: Geburt, Krankheit, Altern und Sterben. Unser wahres Wesen, dieser unendlich weite Raum ist ewig, war, ist und wird immer sein. Unsere wahre Natur. </p>
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<p>Das Gegenteil von Mut ist das Festhalten an etwas, das es gar nicht gibt. So kann auf dieser Ebene Mut immer nur innerhalb von Bedingtheiten sein. Wenn wir Glück haben und etwas funktioniert, dann haben wir mutig etwas erreicht und werden belohnt, oder wo das Karma, das Schicksal oder vor allen Dingen unsere Handlung, die die Ursache von Schicksal und Karma sind, das nicht zulässt. </p>
<p>Mut ist die Verbindung mit allem. Mut ist nicht das, was wir lernen, irgendetwas Irres zu machen gegen unser Gefühl. Wenn wir mit den Dingen verbunden sind, können wir Dinge tun, die andere Menschen nicht tun können. Und wir können Dinge tun, die in den Augen anderer Menschen mutig sind. Aber dieser Mut basiert nicht auf Tollkühnheit, Waghalsigkeit, sondern er beruht auf einer Verbindung mit Wirklichkeit.  Und dadurch gelingt auch das, was dieser Herz-Mut an Handlungen und Wirkungen bewirkt. Und diesen Herz-Mut hat man in alter Zeit „beherzt“ genannt. Beherzt heißt eine Einheit mit mir, eine Einheit mit meiner Tätigkeit und eine Einheit mit meiner Welt. Das ist beherzt. Es setzt Herz voraus. Mut und Herz sind also nicht nur verwandt, sondern sie sind wie Bruder und Schwester. Wie komme ich dahin? </p>
<p>Wenn also Herz und die Liebe die Einheit ist, dann ist unabwendbar der erste Schritt die Einheit mit mir selbst. Diese Einheit öffnet eine neue Form von Liebe, eine Liebe, die rein ist. Diese Liebe ist in der Lage, uns eine völlig neue Welt zu öffnen, auch auf der Ebene von Beziehung und Partnerschaft. Auf der Ebene von Handlung, Gesinnung, Rede, Sprache, von all den Dingen, von dem Wirken in meiner Welt und dem Sein in meiner Welt. Wie komme ich zu einer Einheit mit mir selbst? </p>
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<p>Der Weg der Einheit zu mir selbst ist die Einheit mit meiner Wirklichkeit; die grundlegende Wirklichkeit, von der alles ausgehen kann, ein Verbündeter, ist unser Körper. Das Ausweichen vor dem Körperlichen und später auch vor der materiellen Welt - das am Ende das Ausweichen vor der Erde, vor der Schöpfung selber ist - zu Gunsten eines verstiegenen Ichs, das sich in Gedanken und Emotionen verstrickt und immer mehr von Wirklichkeit entfernt, erlöst sich im ersten Schritt, in dem wir die Wirklichkeit unseres körperlichen Seins erkennen: Das ist Erde, die Verbindung zur Erde, und irgendwann Einheit mit Erde und Schöpfung; denn wir sind in unserem körperlichen Sein Schöpfung. </p>
<p>Dieser erste Schritt ist das Erforschen des Körpers in der Körperbetrachtung, im körperlichen Sein. Und nicht das, was man häufig denkt, ein noch weiteres Verstiegensein in einen Geist - dieser Geist ist dann ein Ego-Geist, auch wenn er sich spirituell anfühlt, und entfernt sich noch weiter von Wirklichkeit, und das Leiden wird noch größer. Der Weg „Mut fassen und den Weg des Herzens gehen“ bedeutet Körper-Achtsamkeit, und in dieser Achtsamkeit: Stille. Das Zentrum dieser Körper-Achtsamkeit kann unser Energiezentrum, das Hara sein, es kann aber auch einfache Körperbetrachtung sein. Und dann, in dieser Stille öffnet sich ein Geheimnis, denn das wahre Herz wird sichtbar, wenn der Krach des Egos von Gedankenbildern und Emotionen sich absenkt, wie Wolken und Nebel, der sich auflöst. </p>
<p>Und in diesem Nebel wird blauer Himmel sichtbar, und in diesem blauen Himmel eine goldene Sonne, und dann ist das Herz da. Dieses Herz uneingeschränkt für sich selbst leuchten zu lassen, bedeutet immer gleichzeitig, dass es für alle Wesen leuchtet. Das ist der einfache Weg. </p>
<p>Nun ist es aber so, dass wir schon eine Weile auf diesem Planeten rumlaufen, und wir haben gelernt, dem Unangenehmen auszuweichen, das Angenehme zu suchen. Man hat uns erläutert, dass das der Weg zum Heil ist - aber es ist der Weg zur Hölle. Einige sitzen hier und fühlen sich nicht so bequem wie in einem Sessel. Aber der Weg, in einem Sessel zu sitzen und Bier zu trinken, ist nicht der Weg in den Himmel. Der Weg, auf einem Bänkchen zu sitzen, in rechter Haltung seinen Körper zu spüren, auch wenn es unangenehm ist, ist ein Weg der Erfahrung von Körperlichkeit. Körperlichkeit lässt sich nur erfahren, wenn wir nicht ausweichen. Keiner von uns wird Schmerz ausweichen können, denn wir werden krank und wir werden alt und wir werden sterben. Lasst uns die Wirklichkeit erkennen, und all diese Dinge fallen ab. </p>
<p>Dieser Weg in der Welt bis hier ist durch viele Geschichten gegangen und einige davon haben uns verletzt, andere haben uns geblendet und andere haben Programme in uns verursacht. Und diese Dinge können jetzt, auf diesem Weg des Herzens, uns plötzlich Angst machen oder uns abbiegen lassen oder uns erzählen, wir sind schon viel viel weiter, am Ende auf diesem Weg, diesen Weg wieder auflösen. Oder einen Schmerz verursachen oder sichtbar werden lassen, dem wir ewig ausgewichen sind, der plötzlich vor uns steht. Da dieses bei sehr vielen Menschen der Fall ist, gerade im Westen, kommt zusätzlich zu diesem einfachen Weg, Körper, Körper-Wirklichkeit, rechte Halterung, Stille und in der Stille das Herz aufleuchten zu lassen - ein Weg der Heilung.</p>
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<p>Die fünft Dhyani-Buddhas sind fünf Felder, die wir selber sind, es sind fünf Ideale unseres höchsten Seins: vollkommener Frieden – Akshobhya; Erfüllung und zu Hause sein – Ratnasambhava; liebende und wirkende Güte, mitfühlende Liebe, aktive Liebe – Amida; Mut und angemessenes Handeln – Amoghasiddhi; und Weisheit und vollkommene Befreiung - Vairocana.</p>
<p>Alle Hindernisse in uns sind Kräfte; und diese Buddhas sind in der Lage, Kräfte und Hindernisse, die Leid verursachen, Ängste und Schmerz, Gier und Haas zu transformieren, mehr oder weniger abhängig von unserer Intensität und Hingabe. So sind die Dhyani Buddhas höchste Ideale und Manifestation von uns selbst - die gibt es nicht außerhalb von uns. Und ein ganz individueller Weg der Befreiung. Die Frage ist ambivalent, es ist die Frage: was ist mein Kern-Schmerz, mein Kern-Hindernis, und gleichermaßen, was ist meine Kern-Stärke; nicht die, die ich glaube zu haben, sondern die, die mich befreit. </p>
<p>So ist Yin Zen, Mut fassen und den Weg des Herzens gehen. Der erste Mut ist, den Weg zu mir selber gehen.  Und zweitens mich heilsam meinen Hindernissen zu stellen -  meinen Programmen, meinem Schmerz, meinem Abbiegen, meiner zwanghaften Form, mich selbst oder andere zu zerstören, oder mich in Gier so zu zerstreuen, dass nichts mehr da ist. Heilsam entgegen zu stellen, hingabevoll zu erlösen, in einer Kraft, die den Weg immer stärker und großartiger öffnet. Und der Beginn ist der Körper, die rechte Haltung, die Körperbetrachtung, oder aber das sich Fallenlassen und das Einüben unserer Erdmitte, unserer Kraft- und Erdmitte. </p>
<p>Dann erfahren wir mehr und mehr, wer wir sind. </p>
<p>Aber wir erfahren auch mehr und mehr, was das Leidhafte in uns ist, das so viel Chaos bisher verursacht hat. </p>
<p>Und wir erfahren, wie wunderbar wir sind. </p>
<p>Denn diese Sonne müssen wir nicht erzeugen, sie ist immer da.</p>
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Vorträge von Zen-Meister Hinnerk Polenski

(In grün: sichtbar für Mitglieder des Daishin Zen Förderkreis e.V.)

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