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Daishin Zen Schule

Rechte Anstrengung - rechte Achtsamkeit - rechte Hingabe

Teisho - Zen-Meister Hinnerk Polenski

 

Der Buddha lehrt im achtfachen Pfad: "Rechte Anstrengung, rechte Achtsamkeit, rechte Hingabe".

Rechte Anstrengung kann, aber muss nicht mühevoll sein. In erster Linie ist es die rechte Ausrichtung. Für den Anfänger ist es die Ausrichtung auf die richtige Sitzhaltung, auf das Anhalten des Körpers in Bewegungslosigkeit in der rechten Haltung, und die rechte Übung - beispielsweise die Übung der Atembetrachtung; und in dieser Gruppe zum Beispiel die Betrachtung nur des Ausatems.

Lass ich mich darauf ein, dann ist es nur die Ausrichtung; sind aber Gedanken da, oder stört es, dass das Knie weh tut, oder ich bin in Gefühlen, die wertend sind - ich fühle mich schlecht, ich kann das nicht, oder andere nerven, die stören mich und so weiter -, dann erfolgt eine Anstrengung, eine Forcierung, eine Konzentration, eine Kraft-Konzentration, auf die Übung, auf die Haltung und das Halten in Anhalten, und das Aushalten.

Mit der Zeit entsteht ein Einüben - so dass die Haltung und auch die Übung wie von allein, in sich selbst ruhend, sich selbst tragend, sich weiterführen; dann ist es nur eine Achtsamkeit. Rechte Achtsamkeit ist am Anfang das Achtsamsein mit der Übung und mit der Haltung. Das ist die Achtsamkeit im Zazen. Später entstehen andere Formen der Achtsamkeit, wie das reine Gewahrsein, oder die Körperbetrachtung und so weiter, aber lassen wir das erst einmal nochmal weg. Hier ist es erstmal die Achtsamkeit in der Übung selber, die Übung halten, die jetzt eine Leichtigkeit ist, und der Körper in sich ruht, mit Leichtigkeit, nur die Achtsamkeit halten, dass nicht etwas eindringt, etwas stört, sondern wir uns in der Übung vertiefen.

So ist es am Beispiel der Betrachtung des Ausatems, sich mit dem Ausatem fallen zu lassen, und den Ausatem sein zu lassen, und ihn somit tiefer und tiefer werden zu lassen und diesem zu folgen, sich in ihn hinein fallen zu lassen, und nur leicht achtsam zu sein, dass ein Geräusch, oder eine Befindlichkeit, ein Gefühl eine Wahrnehmung, eine Körperlichkeit, ein Willensimpuls uns nicht aus dieser Mitte herausträgt, die Mitte haltend.

Rechte Hingabe ist dann, wenn ich spüre, die Übung ist - und sie verschwindet irgendwie, und es verschwindet, und ich, und das Denken und… das Zulassen - in Selbstlosigkeit, nur Übung - sich auflöst, kein Übender, keine Übung, ein Sein. Nun ist Stille, freudvoll, und jetzt ist es dennoch möglich, in dieser Stille wieder Impulse zu setzen, wie Herz und andere… Aspekte wie die Jhana-Stufen, oder gar in eine Wachheit zu gehen in Achtsamkeit. Also der Weg geht von dort aus nicht nur weiter, sondern er geht eigentlich erst los. Das Kriterium ist mehr und mehr nur die Abwesenheit der Ich-Illusion.

Wenn das Ich da ist und sich etwas wünscht, dann ist das ein Begehren. Wenn das Ich berührt wird in seinem Herzen, tief über sich und das Ich hinaus, das ist die Liebe - aber ist kein Ich mehr da, ist es unendlicher Raum.

Und auch hier geht es weiter, bis das Öffnen dieses unendlichen Raumes oder das Erspüren der Liebe in uns, für uns, das Mitgefühl für Andere, das Erfahren des All-Verbundenen entsteht. Das braucht einen Zeugen, wie der Buddha sagt: Die Erde ist mein Zeuge. Für uns ist diese Erdung die Übung des Hara. So führt die Atembetrachtung meistens in eine Übung des Hara, der Kraftmitte des Menschen, und ist die Kraftmitte des Menschen präsent, halte ich sie achtsam und gebe einen Impuls der Liebe in mein Herz und öffne das Herz. Dann ist das Herz geerdet, es ist bezeugt. Der erste Zeuge des Herzlichts ist und sollte immer der Körper selbst sein, verbunden dann mehr und mehr mit der Erde, sich in ein unendlich weites Feld von Güte und Mitgefühl und gelassenem Sein weitend.